Bizepssehnen-Tendinopathie
Lange Bizepssehne an der SchulterOft „Bizepssehnenentzündung“ genannt: Schmerz vorne an der Schulter, verständlich erklärt, mit einem Extrateil für Kraftsportler
Vorne an der Schulter, oft nicht allein und kein Grund, mit dem Training aufzuhören. Die lange Bizepssehne läuft vorne durch das Schultergelenk. Ist sie gereizt, schmerzt es vorne an der Schulter, bei Kraftsportlern zum Beispiel beim Bankdrücken oder bei Dips. Oft ist die Rotatorenmanschette mitbetroffen, und mit Tests lässt sich beides kaum trennen. Laut JOSPT-Leitlinie steht deshalb dasselbe im Vordergrund wie bei anderen Sehnenbeschwerden der Schulter: Training, angepasst statt pausiert. Eine eigene Leitlinie zur Bizepssehne gibt es nicht, und gute Studien speziell zu ihr sind rar.
Diese Seite ersetzt keine Untersuchung. Die Diagnose stellt ein Arzt nach Befragung und Untersuchung. Treten Red Flags auf (ein plötzlicher Knall mit Bluterguss oder einem Wulst am Oberarm, Schmerz in der Ellenbeuge mit Kraftverlust, plötzliche Schwäche nach einem Sturz oder Unfall, Fieber oder eine heiße, gerötete Schulter, Druck auf der Brust oder Atemnot), lass das zuerst ärztlich abklären. Nach einer Schulter-OP gelten die Vorgaben deines Operateurs.
Was steckt dahinter?
Der Bizeps hat zwei Köpfe. Die Sehne des kurzen Kopfes setzt vorne am Schulterblatt an, außerhalb des Gelenks. Die Sehne des langen Kopfes beginnt oben am Rand der Schulterpfanne, zieht mitten durch das Schultergelenk über den Oberarmkopf und tritt vorne in eine knöcherne Rinne am Oberarm ein, die Bizepsrinne. Dort wird sie von einer Halteschlinge geführt, an der auch Fasern von zwei Sehnen der Rotatorenmanschette beteiligt sind. Um diese Sehne geht es auf dieser Seite.
Vereinfachte Darstellung von vorne, nicht maßstabsgetreu.
Gereizt, aber nicht entzündet
„Bizepssehnenentzündung“ ist der Begriff, den die meisten kennen. Unter dem Mikroskop sieht man aber meist etwas anderes: In einer Studie mit 26 Bizepssehnen, die wegen Schmerzen vorne an der Schulter operiert wurden, zeigte keine eine akute Entzündung. Typisch waren Umbauprozesse in der Sehne, wie man sie auch von anderen Sehnenbeschwerden kennt. Fachleute sprechen deshalb von einer Tendinopathie.
operierten Bizepssehnen zeigten eine akute Entzündung, nur 2 eine chronische. Alle zeigten Umbauprozesse wie bei anderen Sehnenbeschwerden.
Quelle: Streit et al. 2015.
Oft nicht allein
Die lange Bizepssehne ist eng mit der Rotatorenmanschette verbunden, über ihre Halteschlinge und ihren Weg durch das Gelenk. Entsprechend treten Beschwerden oft gemeinsam auf: Eine systematische Übersicht fand bei chronischen Problemen der Supraspinatussehne in 22 bis 78,5 % der Fälle auch Veränderungen an der langen Bizepssehne. Springt die Bizepssehne ganz aus ihrer Rinne, war in einer Studie mit 71 Fällen fast immer auch die vordere Sehne der Rotatorenmanschette (Subscapularis) gerissen. Und bei einem Teil der Menschen mit gerissener Rotatorenmanschette arbeitet der Bizeps beim Armheben deutlich mehr mit als normal. Ob er damit etwas ausgleicht, ist noch offen.
Deshalb zählt die internationale JOSPT-Leitlinie von 2025 die Tendinopathie der langen Bizepssehne ausdrücklich zur Rotatorenmanschetten-Tendinopathie. Ihre Empfehlungen gelten also auch hier.
Was die lange Bizepssehne an der Schulter eigentlich tut, ist umstritten. Lange galt sie als wichtiger Stabilisator des Gelenks. In einer kleinen Studie mit 5 Patienten, bei denen die Sehne vom Gelenk gelöst und am Oberarm befestigt worden war, bewegte sich die operierte Schulter aber kaum anders als die gesunde Gegenseite. Bei sonst intakter Schulter scheint ihre stabilisierende Rolle also gering zu sein.
Typische Anzeichen
- Schmerz vorne an der Schulter, im Bereich der Bizepsrinne.
- Druckschmerz, wenn man vorne auf die Bizepsrinne drückt.
- Bei Kraftsportlern zum Beispiel in Positionen, in denen der Oberarm hinter den Körper geht, etwa unten beim Bankdrücken oder bei Dips.
- Häufig zusammen mit Beschwerden der Rotatorenmanschette, also Schmerz auch außen an der Schulter beim Anheben des Arms.
Nicht typisch sind Schmerzen in der Ellenbeuge (dort sitzt die andere, untere Bizepssehne), eine Schulter, die in alle Richtungen steif ist, auch wenn jemand anderes den Arm bewegt (eher eine Frozen Shoulder), plötzliche Schwäche nach einem Sturz oder Unfall (eher ein Sehnenriss), Taubheit oder Kribbeln im Arm (eher Nacken oder Nerven) und das Gefühl, dass die Schulter herausspringt. Auch ein deutliches, schmerzhaftes Schnappen vorne in der Schulter solltest du abklären lassen, dahinter kann eine Sehne stecken, die aus ihrer Rinne rutscht.
So wird die Diagnose gestellt
Der Arzt fragt nach deinen Beschwerden, untersucht die Beweglichkeit und Kraft und drückt meist auf die Bizepsrinne. Dazu kommen Tests wie der Speed-Test (du hebst den gestreckten Arm gegen Widerstand nach vorne) oder der Yergason-Test (du drehst den Unterarm bei gebeugtem Ellbogen gegen Widerstand nach außen). Das Problem: Diese Tests sind unzuverlässig.
der Schäden an Bizepssehne oder Labrum erkannte der Speed-Test in einer Studie mit 50 Patienten, deren Schulter anschließend gespiegelt wurde. Der Yergason-Test erkannte 43 %. Beide veränderten die Einschätzung kaum.
Quelle: Holtby und Razmjou 2004.
Eine systematische Übersicht über 30 Studien kam 2019 zum selben Ergebnis: Die Belege reichen nicht, um einzelne Tests für die Bizepssehne zu empfehlen. Nur der Yergason-Test konnte einen Verdacht etwas erhärten. Ein hochauflösender Ultraschall kann dagegen zuverlässig bestätigen, dass die Sehne gerissen oder aus ihrer Rinne gerutscht ist.
Für die Behandlung ist es zum Glück zweitrangig, ob der Schmerz genau von der Bizepssehne oder von der Rotatorenmanschette kommt, denn die Empfehlungen sind dieselben. Die Kennzeichnungen stammen deshalb aus derselben JOSPT-Leitlinie wie auf der Seite Rotatorenmanschetten-bezogener Schulterschmerz:
Wie gut eine Empfehlung durch Studien belegt ist, steht jeweils im Text.
Bildgebung zu Beginn
Um die Diagnose zu bestätigen, sollte am Anfang kein Bild gemacht werden. Wird es nach spätestens 12 Wochen passender Behandlung nicht besser, kann ein Bild sinnvoll sein (kann erwogen werden, Expertenkonsens).
Wenn ein Bild nötig ist: zuerst Ultraschall
Er ist günstiger als ein MRT und für die Rotatorenmanschette ähnlich aussagekräftig. Für die Bizepssehne kommt hinzu: Einen Riss oder eine herausgesprungene Sehne kann er zuverlässig bestätigen.
Befunde erklärt bekommen
Dein Arzt oder Therapeut soll dir erklären, was ein Bild aussagen kann und was nicht. Mehr dazu im Artikel Was bedeutet dein Schulter-MRT wirklich?
Damit ist ein Schaden am oberen Rand der Pfanne gemeint, genau dort, wo die lange Bizepssehne beginnt. Bei 53 Menschen zwischen 45 und 60 Jahren ohne Schulterbeschwerden fanden zwei Radiologen einen solchen Befund in 55 % und in 72 % der MRTs. Ab diesem Alter ist das also oft ein normaler Befund, und schon zwei Fachleute lesen dasselbe Bild unterschiedlich.
In einer norwegischen Studie mit 118 Patienten (im Schnitt 40 Jahre) war weder das Annähen des Labrums noch das Versetzen der Bizepssehne nach 2 Jahren besser als eine Schein-OP. Für junge Wurf- und Überkopfsportler nach einem Unfall lässt sich das allerdings nicht einfach übertragen.
Wie verläuft sie?
Ehrlich gesagt: Wie lange eine gereizte Bizepssehne braucht, ist kaum untersucht. Hinweise gibt es von anderen Sehnen. In Studien mit gesunden Erwachsenen wurden Sehnen mindestens 8 Wochen lang gezielt belastet, und Programme ab 12 Wochen schnitten tendenziell besser ab. Untersucht wurden dabei Achilles- und Patellarsehne, nicht die Bizepssehne.
Rechne deshalb eher in Monaten als in Wochen. Ein wichtiger Zeitpunkt sind 12 Wochen: Bleiben starke Schmerzen oder Einschränkungen trotz passender Behandlung länger bestehen, empfiehlt die JOSPT-Leitlinie eine Überweisung an einen Facharzt (Expertenkonsens).
Was laut Leitlinie und Studien hilft
Die folgenden Kennzeichnungen stammen aus der JOSPT-Leitlinie und gelten für Sehnenbeschwerden der Rotatorenmanschette einschließlich der langen Bizepssehne. Zur OP äußert sich die JOSPT-Leitlinie nicht, dort steht die Einschätzung der niederländischen Leitlinie (NL). Was speziell zur Bizepssehne untersucht wurde, steht jeweils dabei.
Aktives Übungsprogramm als erste Behandlung
Ein Übungsprogramm mit Kraft- und Kontrollübungen bei unterschiedlichen Lasten sollte die erste Behandlung sein. Die Empfehlung stützt sich auf starke Studienbelege, allerdings aus Studien zur Rotatorenmanschette insgesamt. Speziell zur Bizepssehne gibt es dazu kaum Studien. Wie du das Training anpasst, steht weiter unten.
Aufklärung und Beratung
Du solltest verständlich erklärt bekommen, was los ist, wie du mit Schmerzen umgehen und Belastung anpassen kannst und was du selbst tun kannst. Die Studienlage dafür ist schwach, die Leitlinie empfiehlt es trotzdem.
Manuelle Therapie, Akupunktur und Tape
Behandlung mit den Händen kann Schmerzen kurzfristig lindern. Akupunktur und Tape können zusätzlich zum Training erwogen werden, die Studienlage ist schwach oder widersprüchlich.
Schmerzmittel für kurze Zeit
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR, zum Beispiel Ibuprofen) oder Paracetamol können Schmerzen kurzfristig lindern. Opioide sollten nicht die erste Wahl sein. Was du nimmst, besprich mit deinem Arzt oder deiner Apotheke.
Cortison-Spritze, aber nicht als erste Behandlung
Sie kann Schmerzen kurzfristig lindern, sollte aber nicht die erste Behandlung sein. Wenn gespritzt wird, dann möglichst unter Ultraschallsicht. Laut Leitlinie kann es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen wie einem Sehnenriss oder einer Infektion kommen. Speziell bei der Bizepssehne half eine ultraschallgesteuerte Spritze in einer chinesischen Studie mit 93 Patienten in den ersten 4 Wochen besser als eine Stoßwelle. Mehr im Artikel Cortison-Spritze bei Schulterschmerzen.
Stoßwelle ohne Kalk
Ohne Kalk in der Sehne sollte laut Leitlinie keine Stoßwelle eingesetzt werden (schwache Studienlage). Speziell zur Bizepssehne gibt es allerdings eine chinesische Studie mit 79 Patienten, in der eine radiale Stoßwelle Schmerz und Funktion über 12 Monate deutlich stärker verbesserte als eine Schein-Behandlung. Bestätigt ist das bisher nicht, und die Experten der Delphi-Studie (siehe unten) lehnten Stoßwelle mehrheitlich ab.
Therapeutischer Ultraschall
Ultraschall als Behandlung (nicht zu verwechseln mit dem Ultraschallbild) sollte weder allein noch zusätzlich zum Training eingesetzt werden, weil er keinen Nutzen zeigt.
OP nur, wenn Training nicht reicht
Eine Leitlinie, wann die Bizepssehne operiert werden sollte, gibt es nicht. Wird operiert, wird die Sehne entweder durchtrennt (Tenotomie) oder am Oberarm neu befestigt (Tenodese). Laut niederländischer Leitlinie sind beide wirksam, ohne klinisch bedeutsamen Unterschied. Das bestätigt eine Auswertung von 10 randomisierten Studien mit 787 Patienten: kein Unterschied bei Schmerz und Kraft, ein kleiner Vorteil der Tenodese in einem Funktionswert, nach der Tenotomie aber häufiger ein Popeye-Wulst und Krämpfe im Oberarm. Bei einer Rotatorenmanschetten-OP rät die niederländische Leitlinie zur Vorsicht, eine unauffällige Bizepssehne gleich mit zu behandeln.
Weil Studien fehlen, hat ein internationales Team 29 Fachleute für Schulter-Physiotherapie in drei Runden befragt. Das ist Expertenmeinung, keine Studienlage, aber die beste Orientierung, die es gibt:
- Einig dafür: Übungen einschließlich gezielter Belastung der Bizepssehne (90 bis 100 % Zustimmung), Dehnübungen auch für den Bizeps (79 %), Mobilisation ohne Ruck, Aufklärung und entzündungshemmende Schmerzmittel.
- Einig dagegen: Stoßwelle, therapeutischer Ultraschall, Laser, Reizstrom (TENS) und Iontophorese.
- Keine Einigung: Querfriktionen und Dry Needling an der Sehne.
Eine Übersichtsarbeit von 2024 fand nur 14 Arbeiten zur Physiotherapie bei gereizter Bizepssehne. Die wenigen randomisierten Studien darunter prüften fast nur Geräte und Spritzen, zu Übungen gab es eine einzige mit 14 Patienten. Das Fazit der Autoren: Es fehlt an Belegen. Wer dir ein spezielles „Bizeps-Protokoll“ als bewiesen verkauft, übertreibt also.
Training mit gereizter Bizepssehne
Die folgenden Anpassungen stammen größtenteils aus einem ausführlichen Artikel des Physiotherapeuten Jason Eure bei Stronger by Science (2017). Sie beruhen auf Biomechanik und auf Studien an anderen Sehnen, vor allem an den Beinen. Studien mit Kraftsportlern mit gereizter Bizepssehne gibt es nicht, der Autor sagt das selbst. Verstehe sie als gut begründete Startpunkte, nicht als Gesetz.
Für alles gilt die Schmerz-Ampel aus dem Trainings-Guide: Während der Übung ist Schmerz bis 3 von 10 in Ordnung, bei 4–5 passt du an, über 5 hörst du auf. Am Morgen danach darf es nicht schlechter sein als vorher.
Das Prinzip: Zug plus Druck
Beim Bankdrücken arbeitet der Bizeps nur als Gegenspieler mit, bei der Kniebeuge praktisch gar nicht. Starker Zug auf der Sehne gilt dort deshalb als unwahrscheinlich. Die gängige Erklärung lautet deshalb: Die Sehne wird an der Stelle gereizt, an der sie um den Oberarmkopf läuft, durch Druck und Zug gleichzeitig. Diese Kombination gilt allgemein als besonders ungünstig für Sehnen. Vermutlich steigt der Druck, wenn der Oberarm hinter den Körper geht. Daraus folgen fast alle Anpassungen unten. Bewiesen ist dieser Mechanismus für die Bizepssehne nicht.
Bankdrücken
- Erst kleine Änderungen probieren. Griffbreite und Ellbogenwinkel verändern, wie weit der Oberarm unten hinter den Körper geht. Oft reicht das schon.
- Den unteren Teil begrenzen. Floor Press (auf dem Boden), Pin Press (gegen Sicherheitsablagen) oder Board Press (mit Brett auf der Brust) lassen den kritischen unteren Bereich weg. So lief es auch im Fallbeispiel Bankdrücken.
- Bänder oder Ketten nutzen. Sie machen das Gewicht unten leichter und oben schwerer.
- Langsamer drücken. Eure empfiehlt 2–4 Sekunden ab und auf. Bei Kniebeugen war die Belastung der Kniesehne in einer Studie bei langsamem Tempo geringer als bei schnellem.
- Kurzhanteln anfangs reduzieren. Beim Drücken mit Kurzhanteln arbeitete der Bizeps in einer Studie mit 12 trainierten Männern mehr als mit Langhantel oder an der Multipresse.
- Zusatzvolumen über Liegestütze. Eure schlägt vor, ergänzende Sätze anfangs als Liegestütze statt als Bankdrücken zu machen.
Kniebeuge
Bei der Kniebeuge mit Langhantel auf dem Rücken geht der Oberarm nach hinten und dreht nach außen. Zwei einfache Änderungen:
- Daumen über die Stange (falscher Griff) und die Ellbogen weiter unter die Stange bringen. Dann geht der Oberarm weniger weit nach hinten.
- Etwas breiter greifen. Das verringert die Außendrehung der Schulter.
Hilft beides nicht, sind Frontkniebeuge oder Safety-Bar-Kniebeuge eine gute Übergangslösung, weil die Schulter dabei nicht in diese Position muss.
Rudern, Dips und Zusatzübungen
- Dips vorübergehend weglassen. Dabei geht der Oberarm weit hinter den Körper.
- Beim Rudern den Oberarm nicht weit hinter den Körper ziehen. Dort kommen Zug durch den Bizeps und Druck auf die Sehne zusammen.
- Grundsätzlich gilt: Keine Übung ist an sich gefährlich. Entscheidend ist, ob Gewicht, Umfang und Bewegungsweite gerade zu deiner Belastbarkeit passen.
Den Bizeps direkt trainieren
Experten der Delphi-Studie hielten es für sinnvoll, die Bizepssehne mit Curls gezielt zu belasten, sowohl in der hebenden als auch in der senkenden Phase.
Die Sehne wird nicht durch Schonung belastbarer, sondern durch passende Belastung. Der Vorschlag von Jason Eure für den Aufbau:
- Mit dem Arm vor dem Körper beginnen, etwa mit Curls am Scott-Pult. Später nach und nach mit dem Arm weiter hinten trainieren, bis hin zu Curls auf der Schrägbank.
- Nicht zu leicht. Sehnen passten sich in Studien an Achilles- und Patellarsehne Gesunder vor allem bei hohen Lasten an, über 70 % der Maximalkraft. Eure rät deshalb, nicht leichter als dein 10- bis 15-Wiederholungs-Maximum zu gehen, sobald die Schmerz-Ampel es zulässt.
- Langsam absenken, etwa 2–4 Sekunden.
- Pausen lassen. Eure empfiehlt 36–48 Stunden zwischen schweren Einheiten für die Sehne. Nach Belastung baut die Sehne Kollagen auf, am stärksten nach etwa einem Tag, und das hält etwa drei Tage an.
- Dranbleiben. Plane mindestens 3 Monate ein, Sehnen passen sich langsam an.
Ist die Sehne gerade sehr empfindlich, sind Halteübungen ohne Bewegung (isometrisch) ein möglicher Einstieg. Auch sie hielten die Experten mehrheitlich für sinnvoll.
Die Rotatorenmanschette nicht vergessen
Weil Bizepssehne und Rotatorenmanschette so eng zusammenhängen, gehört Training der Rotatorenmanschette dazu. In einer kleinen Studie mit 5 Patienten mit Riss der Supraspinatussehne bewegte sich der Oberarmkopf nach 12 Wochen Training um 29 % weniger in der Pfanne, Kraft und Beschwerden besserten sich. Eine perfekte Übung musst du dafür nicht finden: Allgemeine Programme wirken in Studien ähnlich gut wie spezielle. Wie du die Rotatorenmanschette auch mit Druck- und Zugübungen erreichst, zeigt der Artikel Schulter schmerzt bei Rotation?
Steigern mit Plan
Laufen 2–3 Trainingstage in Folge mit sauberer Technik und Schmerz unter 3 von 10, und ist der Morgen danach nicht schlechter, darfst du steigern. Wird es trotz Training nach spätestens 12 Wochen nicht besser, lass dich erneut untersuchen.
Welche Übungen und welche Dosis zu dir passen, klärst du am besten mit deinem Arzt oder Physiotherapeuten.
Wenn die Sehne reißt
Eine vorgeschädigte lange Bizepssehne kann reißen. Typisch ist ein plötzlicher Schmerz vorne an der Schulter, danach rutscht der Muskel sichtbar nach unten, ein Wulst am Oberarm entsteht („Popeye“). Zwei Studienergebnisse helfen bei der Einordnung:
- Ohne OP: In einer älteren amerikanischen Studie hatten Betroffene ohne OP im Schnitt 21 % weniger Kraft beim Aufdrehen des Unterarms und 8 % weniger beim Beugen des Ellbogens (gemessen bei 13 von ihnen). 20 von 30 spürten eine Schwäche am Ellbogen, anhaltende Schmerzen waren selten.
- Gezielt durchtrennt oder versetzt: In 10 randomisierten Studien war die Kraft nach dem Durchtrennen der Sehne (Tenotomie) nicht geringer als nach dem Versetzen (Tenodese). Den Popeye-Wulst und Krämpfe gab es nach dem Durchtrennen häufiger.
Beide Ergebnisse lassen sich nicht direkt vergleichen: Die eine Studie vergleicht gerissene mit gesunden Sehnen, die anderen zwei Arten von OP. Ob ein Riss an der Schulter operiert werden sollte, hängt von deinem Anspruch an Kraft und Optik ab und gehört ins Gespräch mit dem Arzt. Ganz anders ist ein Riss am Ellbogen, also an der unteren Bizepssehne: Schmerz in der Ellenbeuge und Kraftverlust beim Aufdrehen des Unterarms solltest du zeitnah ärztlich abklären lassen.
Häufige Fragen
Ist meine Bizepssehne entzündet?
Meist nicht im eigentlichen Sinn. In einer Studie mit 26 operierten Bizepssehnen zeigte keine eine akute Entzündung, nur 2 eine chronische. Typisch waren Umbauprozesse wie bei anderen Sehnenbeschwerden. Deshalb spricht man heute eher von Tendinopathie als von Bizepssehnenentzündung.
Darf ich weiter Bankdrücken?
In der Regel ja, angepasst. Vermutlich ist die Sehne unten in der Bewegung am stärksten belastet. Begrenze diesen Bereich zum Beispiel mit Floor Press oder Board Press, drück langsamer und steigere nach der Schmerz-Ampel.
Brauche ich ein MRT?
Am Anfang meist nicht. Laut JOSPT-Leitlinie sollte zu Beginn kein Bild gemacht werden, um die Diagnose zu bestätigen. Wird es nach spätestens 12 Wochen nicht besser, kommt zuerst ein Ultraschall infrage. Er kann einen Riss oder eine herausgesprungene Bizepssehne zuverlässig bestätigen.
Hilft eine Cortison-Spritze?
Kurzfristig kann sie Schmerzen lindern. Laut JOSPT-Leitlinie sollte sie aber nicht die erste Behandlung sein, und in seltenen Fällen kann es danach zu einem Sehnenriss kommen. Ob sie für dich passt, besprich mit deinem Arzt.
Soll ich Bizeps-Curls machen?
Ja, dosiert. In einer internationalen Expertenbefragung hielten fast alle gezieltes Belasten der Bizepssehne für sinnvoll. Studien mit Patienten gibt es dazu nicht. Ein guter Start sind Curls mit dem Arm vor dem Körper, etwa am Scott-Pult, später auch mit dem Arm hinter dem Körper.
Was passiert, wenn die Sehne reißt?
Reißt die lange Bizepssehne an der Schulter, rutscht der Muskel oft sichtbar nach unten („Popeye“). In einer älteren Studie hatten Betroffene ohne OP im Schnitt 21 % weniger Kraft beim Aufdrehen des Unterarms und 8 % weniger beim Beugen, anhaltende Schmerzen waren selten. Ein Riss am Ellbogen ist etwas anderes und sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Muss ich operiert werden?
Meistens nicht. Die Behandlung beginnt wie bei anderen Sehnenbeschwerden der Schulter mit Training. Wird doch operiert, sind Durchtrennen (Tenotomie) und Versetzen (Tenodese) der Sehne laut zehn randomisierten Studien bei Schmerz und Kraft ähnlich gut. Nach dem Durchtrennen gibt es häufiger einen Popeye-Wulst und Krämpfe im Oberarm.
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Red Flags: Wann du zuerst zum Arzt solltest
- Plötzlicher Knall oder Schmerz mit Bluterguss oder einem neuen Wulst am Oberarm
- Schmerz in der Ellenbeuge mit Kraftverlust beim Aufdrehen des Unterarms (möglicher Riss der unteren Bizepssehne)
- Plötzliche Schwäche oder Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall, zum Beispiel wenn du den Arm nicht mehr heben kannst
- Das Gefühl, dass die Schulter herausspringt
- Fieber, Schüttelfrost oder eine heiße, gerötete, geschwollene Schulter
- Ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte
- Schulter- oder Armschmerzen zusammen mit Druck auf der Brust, Atemnot oder Übelkeit: sofort den Notruf 112 wählen
Alle Red Flags nach Dringlichkeit →
Erneut ärztlich abklären lassen solltest du außerdem, wenn starke Schmerzen oder Einschränkungen trotz Behandlung länger als 12 Wochen bleiben.
Quellen
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